Aal und Rauch

Unsere Aale sind allesamt amerikanische Auswanderer. In frühester Jugend wandern sie zu Tausenden, dem Golfstrom folgend, 8000 Kilometer von ihren Laichplätzen bis zur Nordseeküste und von da über Flüsse, Kanäle und sogar über Land in ihre neue Heimat, das Zwischenahner Meer. So unglaublich das klingt, es ist tatsächlich der authentische Lebenszyklus der Aale, die zum Laichen den ganzen weiten Weg wieder zurück schwimmen.

Wie nun aus dem gemeinen Wanderaal ein köstlicher Schmoortaal geworden ist und damit die über die Grenzen hinaus bekannteste Spezialität Bad Zwischenahns, darüber gibt es viele Spekulationen.

Eine Geschichte besagt, dass Ostern 1108 eine Gruppe von 12 Wanderaalen auf ihrem Weg zum Zwischenahner Meer von einem Unwetter überrascht wurde und in der Tenne von Bauer Janssen an der Aue Unterschlupf suchte. Weil sie durchgefroren und durchnässt waren, beschlossen sie, sich im Dachgebälk zum Trocknen aufzuhängen. Und weil es unterm Dach bekanntlich am wärmsten ist und das Reetdach trefflich vor dem Wolkenguss schützte, wurde es ein geselliger Abend. Die Wanderaale sangen alte amerikanische Volkslieder und erzählten sich schmutzige Seemannswitze, bis sie erschöpft einschliefen.

Nun war das Unwetter von Ostern 1108 ein ganz besonders schlimmes. Es gipfelte in einem atemberaubenden Gewitter. So geschah es, dass der Blitz just in die Tenne einschlug, in der die zwölf Wanderaale rasteten. Für sie gab es kein Entkommen. Sie waren auf der Stelle mausetot. Die Tenne brannte lichterloh und alles was Bauer Janssen drei Tage später noch vorfand, war ein glimmendes, verkohltes Gebälk. Bauer Janssen schlug die Hände über den Kopf zusammen und blickte nach oben in den First. Da hingen zwölf köstlich geräucherte Aale, eine kulinarische Wiedergutmachung für den Verlust der Tenne. Für den armen Bauer ein Wink des Schicksals. Er wurde der erste Smoortaal-Räucherer des Ammerlandes, und seine Erben haben bis heute diese Kunst kultiviert und zu einem einzigartigen Sortiment geräucherter Spezialitäten erweitert.